Starkes Gemüse für starke Frauen

Landshut, 17. Oktober 2023. Gemeinsames Kochen und Essen schafft Vertrauen und das Gefühl von Alltag. Eine wichtige Komponente für die Bewohnerinnen der Landshuter Frauenhäuser. Für die richtigen Zutaten, also frisches Gemüse direkt vom Acker, sorgen jetzt Patinnen und Paten des Regionalkollektiv: Sie übernehmen die Kosten für wöchentliche Gemüsekisten der Solidarischen Landwirtschaft aus Landshut.

Courage brauchen die Frauen, die in den Landshuter Frauenhäusern wohnen und die sich mit viel Mut aus schwierigen Lebensumständen herausgewagt haben. „Gemüse mit Courage“ baut die Solidarische Landwirtschaft Regionalkollektiv an – denn strikt saisonal und regional zu produzieren, Angestellte und Lieferanten fair zu entlohnen und gleichzeitig auch Menschen mit weniger Geld mit Regionalkollektiv-Gemüse zu versorgen ist ein ambitioniertes Unterfangen, das andere als die üblichen Ansätze erfordert.

Es passt also irgendwie zusammen und so entstand die etwas ungewöhnliche Kooperation, die seit neuestem die beiden Frauenhäuser Landshuts mit der Solidarischen Landwirtschaft Regionalkollektiv verbindet: Regionalkollektiv-Genossen und -Freunde übernehmen die Patenschaft für eine wöchentliche Gemüsekiste, mit der die Frauen gemeinsam kochen und ein Miteinander erleben.

„Wir waren sehr überrascht über den Vorschlag des Regionalkollektivs, uns Gemüse über ein Sponsoring zukommen zu lassen – und wir waren gleich sehr angetan davon“, erzählt Birgit Schlick-Blieninger, die Leiterin des AWO-Frauenhauses. „Unsere Bewohnerinnen sind begeistert und haben viel Freude daran, mit dem tollen Gemüse tolle Gerichte zu kochen und sich gemeinsam an den Tisch zu setzen. Viele kennen diese Situation gar nicht mehr. Ein großes Dankeschön ans Regionalkollektiv und die Sponsor.innen, die dies möglich machen.“

Solidarität ist das Zauberwort

Kooperationen dieser Art sind einer der Bausteine, über die das Regionalkollektiv den Spagat realisiert: Trotz höherer Kosten aufgrund nachhaltiger und umweltfreundlicher Produktion und fairer Löhne soll das Gemüse auch Menschen zugänglich sein, die weniger Geld zur Verfügung haben.

Wie also können auch Menschen mit geringeren Einkommen an dem Angebot teilhaben? Das Zauberwort beim Regionalkollektiv heißt Solidarität: Bei einer „Bieterrunde“ kann jedes Mitglied anonym soviel für seine Kiste bieten wie er/sie will und kann – das Weniger der einen wird durch das Mehr der anderen ausgeglichen. Genoss.innen übernehmen Patenschaften für Gemüse-Abonnements oder „spenden“ Kisten für soziale Einrichtungen, die Verwendung und Bedarf dafür haben – wie beispielsweise jetzt für das Landshuter Frauenhaus. Andere wieder sorgen durch Einlagen in das Unternehmen für eine stabile Basis.

„Das Angebot des Regionalkollektivs finden wir wirklich wunderbar“, freut sich Ludwig Stangl. Geschäftsführer des Cariatas-Verbandes Landshut. „Es macht den Frauen und Kindern unserer Einrichtung, von denen sich viele in der Regel kein Gemüse aus der Region und dazu in Bio-Qualität leisten können, mit gesunden Zutaten zu kochen. ‘Bio goes social’ sozusagen!“

„Wir haben das Angebot der Sponsorenkisten aus dem Gedanken heraus entwickelt, dass viele Landshuter Bürger.innen unser Konzept zwar toll finden, aber in ihrer Lebenssituation keinen Raum für eine wöchentliche Gemüselieferung und regelmäßiges Kochen finden. Die Antwort auf die Frage, wie sie unser Projekt dennoch unterstützen könnten, ist die Patenschaft. Wir hoffen, dass wir noch viele Patenschaften schließen können und sind auch im Gespräch mit anderen sozialen Organisationen, die zu uns passen“, erklärt Annette Theißen, Mitglied des Vorstands des Regionalkollektivs.

Gut vorstellbar und herzlich eingeladen sind die Frauen natürlich auch, sich neben dem Kochen auch bei einer anderen der vielen Aufgaben des Regionalkollektivs einzubringen: Vom Unkrautjäten, Einkochen bis zum Flyer verteilen oder der Unterstützung bei einem Fest, ist für jede etwas dabei, die Lust hat.

Soziale Organisationen, die sich vorstellen können, sinnvolle Verwendung einer Gemüsepatenschaft zu haben, können sich gerne bei der Solidarischen Landwirtschaft melden. Umgekehrt freut sich das Regionalkollektiv über interessierte Paten und Patinnen.