Der Winter und das Gemüse

Von Tom Hoffmann

So ein langer kalter Winter ist für die meisten schon etwas Schönes:

Draußen ist alles gefroren, oft liegt Schnee und die Natur scheint still zu stehen. Für uns Menschen ist es auch häufig die Zeit einen Gang zurück zu schalten und die Dinge langsamer anzugehen.

Aber was bedeutet so ein sehr kalter Winter für unsere ganzjährige Versorgung mit Gemüse?

Damit wir den ganzen Winter nicht nur von Lagergemüse zehren müssen und hin und wieder auch etwas frisch Geerntetes auf unseren Tellern landet, haben wir noch Gemüsekulturen, die im Folientunnel und Freiland den Winter verbringen. Im Folientunnel sind es u.a. Feldsalat, Winterpostelein, Asiasalat, Spinat, Kräuter und im Freiland stehen noch Lauch, Wirsing und Grünkohl.

Asiasalat im Folientunnel mit Frostwelcke

Alle diese Gemüsearten eignen sich gut zum Überwintern und vertragen auch mal tiefere Minusgrade. Was die meisten aber nicht mögen, ist, wenn sie im gefrorenen Zustand geerntet werden. Durch Berührung der gefrorenen Pflanzen wird ihr Zellgewebe zerstört, die betroffenen Stellen sind dann nach dem Auftauen matschig. Beim Wirsing zum Beispiel kann die Ernte im gefrorenen Zustand funktionieren, wenn er vorsichtig ohne großes Drücken oder Quetschen geerntet wird. Bei so etwas Feinem wie Feldsalat wäre nicht daran zu denken.

Zum Glück scheint auch an Wintertagen immer mal wieder die Sonne und es herrschen tagsüber Temperaturen über null Grad. Dann taut doch so ein kleines Pflänzchen wie Feldsalat schnell auf und wir können es ruck zuck ernten und uns schmecken lassen, oder? Generell stimmt das.

Schwierig wird es aber, wenn es über längere Zeit sehr kalt war, der Boden stark gefroren ist und es dann tagsüber wieder wärmer wird. Durch den gefrorenen Boden kann die Pflanze das im Boden vorhandene Wasser nicht mehr aufnehmen, durch die Plusgrade läuft die Verdunstung über die Blätter aber weiter und das führt zu Welke-Symptomen. Man nennt dies auch Frostwelke. Jetzt ist die Ernte trotz Plusgraden auch nicht möglich, da die Pflanze sehr schlapp ist. Wenn dieser Zustand über mehrere Wochen anhält und mehr Wasserverlust als Wasseraufnahme durch die Pflanze stattfindet, kann es zu bleibenden Schäden an der Pflanze kommen. Die Ernte ist erst wieder möglich, wenn der Boden zumindest oberflächlich einige Zeit auftaut und die Pflanze dadurch wieder Wasser aufnehmen kann.

Starke Frostwelke hat noch einen weiteren Nachteil. Der Wassermangel schwächt die Zellstruktur der Pflanze und sie wird dadurch anfälliger für Frostschäden.

Momentan sind wir mit dieser Problematik konfrontiert. Wir hoffen, dass unser Gemüse noch weiter durchhält und dass die Temperaturen etwas milder werden, damit wir bald wieder ohne Einschränkungen ernten können.